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buchcover

Andreas Franco: Politik in Köln.
Grundlagen, Personen, Geschichten,
Stadt Köln, Bezirke; 07. Juni 2016.

208 Seiten; 12,95 Euro.
Zu beziehen über den Buchhandel (z.B. Amazon, Thalia) oder direkt hier: kontakt@politik-in-koeln.de

icon Luftqualität

Politik in Köln gibt hier einen Überblick zum Thema Luft und Luftqualität in Köln. Dazu gehört zunächst ein Hinweis, wo Informationen zur Schadstoffbelastung in Köln zu erhalten sind. Wichtig für die Kölner Politik ist auch der Luftreinhalteplan Köln 2012 der Bezirksregierung Köln.
Interessiert sich die Politik in Köln für dieses Thema? Ich habe nicht den Eindruck. Zwar gibt es, gezwungenermaßen (Luftreinhalteplan), eine Masse an Maßnahmen. Aber weder werden sie wirklich in ihrer Bedeutung zusammengefasst und dargestellt, noch werden sie wirklich konsequent umgesetzt. Mein Eindruck von Politik in Köln ist ernüchternd: Die Politik in Köln hat offenbar andere Prioritäten. Auch die Medien schließen sich dem, anders als anderswo, an.

Siehe auch KStA vom 15.11.2015: So patzt die Stadt Köln beim Klimaschutz.

Inhalt

Aktuelle Messwerte zur Luftqualität in Köln (lanuv.nrw)


Messwerte Luftqualität:

lanuv.nrw
Chorweiler
Rodenkirchen
Clevischer Ring
Turiner Str.
Messtationen-Koeln

© www.openstreetmap.org,
http://umap.openstreetmap.fr/de/, (af)

Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (lanuv.nrw):
Bild als Beispiel: Hier ist auch ersichtlich, welche Station welche Werte misst.

UebersichtMesstationen
* lanuv.nrw

Messwerte 2015 in Köln:

Messwerte 2015 in Köln
* LANUV Fachbericht 73: Bericht über die Luftqualität im Jahre 2015 (2016), S. 26f.

Luftreinhalteplan Köln 2012 (Bezirksregierung Köln)

Gemäß dem Luftreinhalteplan Köln 2012 ist die Kölner Luft vor allem durch Feinstaub (PM₁₀) und Stickstoffdioxid (NO₂) belastet.

Grenzwerte (*)

Feinstaub (PM₁₀): Jahresmittelwert von 40 μg/m³ und Tagesmittelwert von 50 μg/m³ an maximal 35 Tagen im Jahr.
Stickstoffdioxid (NO₂): Jahresmittelwert von 40 μg/m³ und Stundenmittelwert von 200 μg/m³ an maximal 18 Tagen im Jahr.

Während die Grenzwerte für Feinstaub (PM₁₀) 2009/2010 an allen vier Messtationen eingehalten werden konnten, wurde der Grenzwert für Stickstoffdioxid (NO₂) an 10 von 13 aufgestellten Messstationen nicht eingehalten. Der höchste gemessene Wert lag 2009 am Clevischen Ring (VKCL) in Köln-Mülheim mit 69 μg/m³ (Luftreinhalteplan Köln 2012, S. 22).

Gesundheitliche Auswirkungen

Die gesundheitlichen Auswirkungen von Feinstaub und Stickstoffdioxid werden im Luftreinhalteplan ab Seite 10 erörtert:

Feinstaub (PM₁₀): Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen. Störungen des Lungenwachstums bei Kindern. Anstieg der Gesamtsterblichkeit und der Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Sterblichkeit sowie der Lungenkrebssterblichkeit. 1 μg PM₁₀/m³ weniger Schadstoffbelastung bedeuten 0,5 Monate erhöhte Lebenserwartung der Gesamtbevölkerung.

Stickstoffdioxid (NO₂): Verschlechterung der Lungenfunktion, Zunahme von infektionsbedingten Atemwegserkrankungen wie Husten und Bronchitis. 10 μgNO₂/m³ mehr Schadstoffbelastung bedeuten 10 % mehr Bronchitis(symtome).
Zunahme von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und der Sterblichkeit in der Bevölkerung. Hinweise, dass mit einem Anstieg um 15 μgNO₂/m3 das relative Risiko, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu versterben, um die Hälfte steigt.

Tote durch Luftverschmutzung in Deutschland

Mit diesem Thema beschäftigt sich auch ein aktueller Artikel aus dem Deutschen Ärzteblatt (Dtsch Ärztebl 2015). Demnach sterben in Deutschland jährlich 35.000 Menschen an den Folgen der Luftverschmutzung. Über 3.000 Tote gehen zu Lasten der Kohlekraftwerke, die ein besonderes Problem in NRW und Köln darstellen. Jährlich 7.000 Tote gehen laut einer Mitteilung der Max-Planck-Gesellschaft auf das Konto der Luftverschmutzung durch Straßenverkehr; doppelt so viele wie Unfalltote (16.09.2015: Mehr Tote durch Luftverschmutzung).

Nach Angaben der Europäischen Umweltbehörde (EEA) gehen allein in Deutschland jährlich mehr als 10.000 vorzeitige Todesfälle auf die Belastung der Luft mit Stickstoffdioxid zurück (DUH vom 06.04.2016, Tagesschau vom 06.01.2017).

In ihrem Länderbericht - DEUTSCHLAND (2017) zur Überprüfung der Umsetzung der EU-Umweltpolitik schreibt die EU-Kommission auf S. 16f:

"Trotz der Reduzierung der Schadstoffemissionen gibt die Luftqualität in Deutschland weiterhin Anlass zur Besorgnis. Für das Jahr 2013 schätzt die Europäische Umweltagentur, dass etwa 73.400 vorzeitige Todesfälle auf Feinstaubbelastung zurückzuführen waren, 2.500 auf die Ozonkonzentration und mehr als 10.610 auf Konzentrationen von Stickstoffoxid. ... Schätzungen zufolge liegen die externen Gesundheitskosten, die aufgrund der Umweltverschmutzung in Deutschland entstehen, bei über 58 Mrd. EUR im Jahr... ."

Verursachergruppen

EmmitentengruppeGebietNOₓ t/JahrPM₁₀ t/Jahr
Verkehr (Straßen-, Schiffs-, Schienen-, Flugverkehr)Köln8.711,0723,4
Nicht genehmigungsbedürftige FeuerungsanlagenKöln1430,1127,4
Genehmigungsbedürftige Anlagen (Industrie)Köln6.775,0258,0
Genehmigungsbedürftige Anlagen (Industrie)Erhebungsgebiet56.670,02.010,0

* Luftreinhalteplan Köln 2012, S. 57

Emmitentengruppen

Der Mittelwert Regionales Hintergrundniveau wurde für 2008 mit einem Jahresmittelwert von 26 μgNO₂/m³ und 22 μg PM₁₀/m³ angegeben (Luftreinhalteplan 2012, S. 30). So hoch wäre also in etwa die Stickstoffdioxid- und Feinstaubbelastung in Köln ohne zusätzliche Kölner Schadstoffquellen.

Gruppe Verkehr

Straße
(ohne Autobahn)
Straße
(nur Autobahn)
SchiffSchieneSonstige*
NOₓ t/Jahr1.910,23.053,62.127,4251,91.367,9
PM₁₀ t/Jahr212,1239,149,0122,4100,8

* Offroad- und Flugverkehr; Luftreinhalteplan Köln 2012, S. 49

Verkehr

Gruppe Straßenverkehr

FahrzeuggruppeFahrleistung Mio. kmNOₓ kg/JahrPM₁₀ kg/Jahr
PKW6.2872.170.807254.084
Leichte Nutzfahrz.321263.33833.786
Busse17151.1596.762
Kräder11024.0133.312
Schwere Nutzfahrz.4782.254.525153.214
Kfz (gesamt)7.2134.963.842451.158
Kfz (nur Autobahn)3.6753.053.612239.104

Man beachte: Schwere Nutzfahrz.: Fahrleistung 6,7 %, NOₓ 45,4 %, PM₁₀ 34 %.

* Luftreinhalteplan Köln 2012, S. 34.

Verkehr

Konsequenzen des Düsseldorfer Urteils, Fortschreibung des Luftreinhalteplans:

Zur Ratssitzung am 22.09.2016 beantwortete die Verwaltung Fragen der Linken Köln: Konsequenzen für Köln aus dem Düsseldorfer Stickstoffdioxid-Urteil.

  • Demnach hat das Verwaltungsgericht das Verfahren bezüglich Köln noch nicht terminiert. Es wird jedoch ein ähnliches Urteil wie in Düsseldorf erwartet.
  • Die Verwaltung prüfe deshalb rechtliche Möglichkeiten zur deutlichen Verkehrsreduktion. Bereits ab der 39. KW sollen mögliche Maßnahmen erarbeitet und ab der KW 43/44 von einem Runden Tisch festgelegt werden. Andere Städte diskutieren folgende Maßnahmen, so auch Köln: Zufahrtbeschränkungen, LKW-Führungskonzept, Transitverbote, Erweiterung der Umweltzone, Ausstattung der Busflotte mit SCRT-Filtern, Forcierung des Landstromangebots für die anliegende Schifffahrt. Dabei habe die gestoppte Einführung der "Blauen Plakette" besonderen Handlungsdruck erzeugt.
  • Die Überlegungen werden mit der zuständigen Bezirkregierung erörtert und sollen zur Fortschreibung des Luftreinhalteplans im 1. Halbjahr 2017 zur Beschlussfassung vorgelegt werden.

25.10.2016: 1. Runder Tisch zur Luftreinhalteplanung tagt mit Akteuren aus Handel, Wirtschaft und Verbänden.

03.02.2017: 2. Runder Tisch zur Luftreinhalteplanung

  • Ziel: Dem Rat der Stadt Köln bis Sommer 2017 einen Entwurf mit Handlungsempfehlungen vorzulegen, die in die Fortschreibung des Luftreinhalteplans einfließen können, und erste Maßnahmen bereits Ende 2017 umzusetzen.

14.02.2017: Fortschreibung des Luftreinhalteplans:

  • Bezirksregierung Köln bindet frühzeitig die Öffentlichkeit ein. Die kann bereits jetzt, also vor Fertigstellung des Luftreinhalteplans, Hinweise und Anregungen einreichen.

06.03.2017: Wirbel um Äußerung zu Diesel-Fahrverbot und City-Maut:

  • In einem Interview spricht Umwelt- und Gesundheitsdezernent Prof. Dr. Harald Rau über mögliche Diesel-Fahrverbote und eine City-Maut (express vom 06.03.2017) und erhält starken Gegenwind (express vom 08.03.2017).
  • Rau bezog sich im Interview auf das Urteil des VG Düsseldorf (3 K 7695/15). Demnach muss für Düsseldorf der Luftreinhalteplan so geändert werden, dass dieser die erforderlichen Maßnahmen zur schnellstmöglichen Einhaltung des Grenzwertes enthält. Eine Frist von einem Jahr wurde gesetzt, (partielle) Dieselfahrverbote nahegelegt. Ein ähnliches Urteil wird für Köln erwartet. Auch das Urteil des VGH Bayern (22 C 16.1427) legt für München enge Grenzen, auf ein Dieselfahrverbot zu verzichten.

09.03.2017: Luftreinhalteplanung Stadt Köln in den Gremien:

  • Beschlussvorlage Rat
  • Anlage 1 Maßnahmenkatalog DUH
  • Anlage 2 160913_Urteil_VG DueDo_3K7695_15
  • Anlage 3 Maßnahmenkatalog Stadt (060117)

19.04.2017: Minister Remmel: "Saubere Luft ist Gesundheitsschutz": Ausgleichs- und Entschädigungsfonds einrichten; NO2-Minderungsprogramm auflegen; NRW Bündnis für saubere Luft schließen

  • Im Rahmen des Beteiligungsverfahrens der Bundesländer zum EU-Vertragsverletzungsverfahren gegen die Bundesrepublik wegen der hohen NO2-Grenzwertüberschreitungen hat das NRW-Umweltministerium zwei Initiativen eingebracht:
    • 1. Nationaler Ausgleichs- und Entschädigungsfonds
    • 2. NO2-Sofortminderungsprogramm
  • In einem Bündnis für saubere Luft sollen mit den Kommunen und weiteren Akteuren aus der Wirtschaft Vereinbarungen zur sauberen Mobilität getroffen werden. Dem Radverkehr und den elektrischen Antrieben kommen dabei besondere Bedeutung zu.
  • "... dabei ist klar, dass ohne ambitionierte und wirksame Maßnahmen Dieselfahrverbote nur schwer zu vermeiden sind. ... Es sei nicht auszuschließen, dass die Verwaltungsgerichte die Länder dazu zwingen würden, in den Ballungsräumen Diesel-Fahrverbote zu verhängen."

17.10.2017: 3. Runder Tisch zur Luftreinhalteplanung

  • Handlungsempfehlungen wurden erarbeitet. Eine Ratsvorlage wird vorbereitet und soll im Dezember 2017 den Gremien zur Beratung vorgelegt werden.

Links:

Quecksilber

Am 21.12.2015 wurde eine von der Grünen-Bundestagsfraktion beauftragte Studie fertiggestellt, wonach Deutschland mit einer Quecksilberfreisetzung von 10 Tonnen pro Jahr zusammen mit Polen und Griechenland Spitzenreiter in Europa ist. 7 Tonnen stammen aus den Kohlekraftwerken. Die 16 größten Braunkohlekraftwerke emitieren 3,4 Tonnen, die 37 größten Steinkohlekraftwerke 1,6 Tonnen Quecksilber. Knapp 1,6 Tonnen entfallen auf die Braunkohlekraftwerke der RWE, die im Einzugsgebiet Kölns liegen (Seite 6). Nach den aktuellen Richtwerten, die in den USA eingehalten werden müssen, würde die Quecksilberfreisetzung um 85 % sinken. Dies scheint jedoch nicht gewünscht.
Quecksilber ist ein starkes Nervengift. Die Gesundheitsgefahren werden auf Seite 8 kurz dargestellt.

21.12.2015: Gutachten: Quecksilber-Emissionen aus Kohlekraftwerken (1,4 MB).

Meldepflichtige Betriebe

Vollbildanzeige

Diese Karte benutzt das Kartenmaterial von www.openstreetmap.org und wurde mit http://umap.openstreetmap.fr/de/ bearbeitet.

Meldepflichtige Betriebe in Köln (Luftemmission 2013/2014)

Betrieb (Werte in kg)Kohlendioxid (CO2)Stickoxide (NOx/NO2) Distickoxid (N2O)Schwefeloxide (SOx/SO2)NMVOC
AVG Köln mbH (Müllverbrennung)
(50,1% Stadtwerke Köln)
260.000.000
276.000.000
127.000
133.000
21.200
22.100
Carbosulf Chemische Werke GmbH651.000
367.000
Ford-Werke GmbH646.000
k.A.
GuD-Heizkraftwerk Niehl II
(RheinEnergie)
565.000.000
886.000.000
339.000
487.000
k.A.
15.200
Heizkraftwerk Merkenich
(RheinEnergie)
592.000.000
336.000.000
546.000
287.000
294.000
Heizkraftwerk Südstadt
(RheinEnergie)
143.000.000
143.000.000
INEOS Köln GmbH2.790.000.000
2.840.000.000
1.540.000
1.600.000
54.900
89.100
353.000
374.000
381.000
305.000
Orion Engineered Carbons GmbH Werk Kalscheurenk.A.
296.000.000
k.A.
847.000
k.A.
815.000
Saint-Gobain Glass Deutschland GmbH303.000
354.000
309.000
475.000
Shell Deutschland Oil GmbH Rheinland Raffinerie Werk Nord1.330.000.000
1.380.000.000
1.100.000
1.110.000
23.600
24.400
k.A.
246.000
Summe: 2013
2014
5.680.000.000
6.157.000.000
3.955.000
4.818.000
99.700
150.800
1.607.000
2.277.000
1.027.000
305.000

* alle Werte aus www.thru.de (Auszug). Über Detail erhalten Sie dort die jeweiligen Werte.

Meldepflichtige Betriebe im Umland (Luftemmission 2013 bzw. 2013/2014)

Betrieb (Werte in kg)Kohlendioxid (CO2)Stickoxide (NOx/NO2) Kohlenmonoxid (CO)Schwefeloxide (SOx/SO2)Feinstaub (PM₁₀)
RWE Power AG Kraftwerk Neurath33.300.000.000
32.400.000.000
22.800.000
22.600.000
7.330.000
7.140.000
6.260.000
5.980.000
401.000
454.000
RWE Power AG Kraftwerk Frimmersdorf4.280.000.000
4.450.000.000
2.780.000
3.030.000
1.720.000
1.670.000
1.210.000
1.490.000
89.000
70.600
RWE Power AG Kraftwerk Niederaußem29.500.000.000
27.200.000.000
19.300.000
18.000.000
5.250.000
4.920.000
10.200.000
10.200.000
409.000
412.000
RWE Power AG-Fabrik Fortuna Nord451.000.000
484.000.000
261.000
284.000
824.000
955.000
186.000
144.000
RWE Power AG Kraftwerk Weisweiler18.800.000.000
18.800.000.000
12.700.000
11.600.000
9.200.000
7.410.000
5.390.000
4.050.000
277.000
229.000
Energy from Waste Saarbrücken GmbH EEW (Hürth)292.000.000298.000
Knapsack Power GmbH & Co. KG (Hürth)198.000.000115.000
RWE Power AG-Fabrik Ville/Berrenrath (Hürth)1.200.000.000934.000346.00096.300
RWE Power AG Kraftwerk Goldenberg (Hürth)1.500.000.000856.000762.000
Statkraft Markets GmbH (Hürth)156.000.000
RWE Power AG-Fabrik Frechen 1.750.000.000972.000509.000196.000

* alle Werte aus www.thru.de (Auszug). Über Detail erhalten Sie dort die jeweiligen Werte.

Beim Umweltbundesamt gibt es auch eine gute Karte, auf der die Schadstoffbelastungen in Deutschland dargestellt sind: Umweltbundesamt.

Siehe auch: clean air: Eine Informationsseite verschiedener Umweltverbände für saubere Luft in Europa.